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50 Jahre Clemens Spieltiere

Vom Not-Teddy zum Designer-Bär

Anlässlich des 50-jährigen Firmenjubiläums von Clemens traf ich mich im Frühjahr 1998 mit dem Inhaber Peter Clemens und seiner Frau Inge zu einem längerem und sehr offen geführten Gespräch. Das Firmenporträt, das auf dieser Grundlage entstand, erschien in Heft 2/1998 des BärReport.
Wolfgang Froese

Deutschland lag noch in Trümmern, als 1948 der erste Clemens-Teddy am heimischen Küchentisch entstand. Seither hat die Hans Clemens GmbH in Kirchardt (Baden) viele Höhen und manche Tiefen erlebt. Wir sprachen mit Firmenchef Peter Clemens und seiner Frau Inge über Vergangenheit und Gegenwart des Familienunternehmens. Mit in der Runde saß die langjährige Clemens-Designerin Mella-Maria Knopp.

Lange schien es, als seien die allerersten Clemens-Bären, die als Auftragsarbeiten für einzelne Kunden angefertigt worden waren, ausnahmslos verschollen. Nicht einmal mit Bildern ließ sich ihr Aussehen belegen. Doch dann meldete sich vor zwei Jahren der Neffe einer alten Dame bei Peter Clemens. Dessen Tante hatte sich einst aus einem mitgebrachten Kostüm einen Bären schneidern lassen, "einen der ersten zwanzig", wie der Firmeninhaber schätzt. Weil der Stoff des beigen Rockes für den Teddy nicht reichte, war auch das braun-rot gemusterte Jäckchen mitverarbeitet worden. Das farbenfrohe Unikat, das die Zeitläufte überlebte, steht der Firma Clemens jetzt für besondere Anlässe zur Verfügung. Und als Replik ist der Urbär aus dem Jahr 1948 in einer limitierten Auflage von 600 Exemplaren auch für Sammler erhältlich.

Die Erzählungen von den Anfängen der Plüschtierfirma klingen wie eine Mär aus längst vergangener Zeit. Unternehmensgründer Hans Clemens stand nach dem Zweiten Weltkrieg wie viele seiner Zeitgenossen vor dem Nichts. Sein Schuhgeschäft im Elsaß hatte er verloren. Um sich eine neue Existenz aufzubauen, eröffnete er 1948 in Mannheim ein Einzelhandelsgeschäft für Haushaltswaren und Geschenkartikel. Immer wieder fragten seine Kunden nach Spielsachen und insbesondere nach Teddybären. Weil sie auf dem Markt nicht erhältlich waren, begann die Familie Clemens, selbst welche herzustellen, einzeln in Handarbeit aus dem Material, das ihr die Auftraggeber brachten. Der unerwartete Erfolg veranlaßte Hans Clemens, die Produktion auszuweiten, ein Fabrikgebäude wurde angemietet, die ersten Mitarbeiter eingestellt. Mit dem Wirtschaftsaufschwung kam für die junge Firma der endgültige Durchbruch. Statt alter Wehrmachtsdecken, die in der ersten Zeit als Rohstoff gedient hatten, wurden Kunstseiden- und bald auch Mohairplüsche verarbeitet.

Die "Urbär"-Replik

ist einem der allerersten Clenens-Teddys aus dem Jahr 1948 nachempfunden.

Sohn Peter, der 1953 in die Firma eintrat, war jetzt zum 43. Mal auf der Nürnberger Spielwarenmesse. Er hat die Boom-Zeiten, aber auch die Krisenjahre der deutschen Plüschtierhersteller erlebt. Er und seine Frau deuten an, daß zuweilen selbst der Bestand des Unternehmens in Gefahr geriet. Zur Schieflage trug in den siebziger Jahren eine Vertriebsstrategie bei, die auf den Massenmarkt setzte. Der Preiswettlauf mit den Billiganbietern aus Fernost war nicht zu gewinnen. Stattdessen wurde der gute Ruf des Markennamens, den sich Clemens über Jahrzehnte erarbeitet hatte, in Mitleidenschaft gezogen. Der notwendige Kurswechsel wurde eingeleitet, nachdem Peter Clemens 1985 die alleinige Geschäftsleitung übernommen hatte.

Versandhäuser und SB-Geschäfte wurden als Absatzkanäle aufgegeben, dafür die Zusammenarbeit mit dem Fachhandel gesucht. Peter Clemens blättert eine aktuelle Ausgabe des BärReport durch, zeigt auf die vielen Anzeigen, in denen Clemens-Teddys angeboten werden. "Heute kann man stolz sein, wenn man ein Fachmagazin aufschlägt. Der Name Clemens ist wieder ein Begriff für Qualität und ausgereiftes Design."

Bei der Neuausrichtung der Firma war Mella-Maria Knopp eine "Riesenhilfe", wie Inge Clemens anmerkt. Die Ludwigshafenerin war bereits 1979 als freie Designerin in die Dienste des Unternehmens getreten. In der Umstellungsphase sorgte sie mit ihrer engagierten Arbeit dafür, daß sich Peter Clemens ganz auf den kaufmännischen Bereich konzentrieren konnte. Mit der Zeit hat sich auch ein enges persönliches Verhältnis zur Familie Clemens entwickelt. Auf festangestellte Designer verzichtet Clemens inzwischen völlig. "Die Kunden wollten Neuheiten sehen, aber die Bären schauten alle aus der gleichen Ecke heraus", sagt Peter Clemens zur Begründung. Ein erheblicher Teil des aktuellen Programms stammt aus der Ideenwerkstatt von Claudia Wagner-Weinstein. Auch Bären von Birgit DiedrichDrobny, Anja Fohmann und Martina Lehr haben den Weg zu Clemens gefunden. Die Entwürfe von Marie Robischon werden unter dem Signet Creation Marie vertrieben. Mella-Maria Knopp ist mit einer Gruppe von vier Teddys vertreten, die unterschiedliche Charaktertypen darstellen. Mit einer Auflage von jeweils nur 190 Exemplaren liegen ihre ausgefallenen Bären am unteren Ende des Limitierungs-Spektrums. Mehr als 500 Stück sind es allerdings selten.

Till ist einer der vielen Clemens-Teddys,

die von Claudia Wagner-Weinstein entworfen worden sind.

Auch einzelne klassische Clemens-Bären sind mit einer Auflagengrenze versehen, so ein 13 cm kleiner Nostalgie-Teddy, der in drei Ausführungen angeboten wird. Die Auswahl an uniimitierten Serienbären ist überraschend groß und vielfältig, sie sind in unterschiedlichsten Stoffen, Farben und Größen erhältlich. Auch das Design variiert, doch "wir legen Wert darauf, daß sie als Clemens-Bären erkennbar bleiben", sagt Mella-Maria Knopp. Insbesondere in England haben die klassischen Teddys von Clemens viele Liebhaber.

Eine treue Fangemeinde haben die Clemens-Bären auch in einer Zielgruppe, die heute leicht übersehen wird: den Kindern. Viele Teddys aus dem Hause Clemens tragen den roten "spiel gut"-Punkt, ein von unabhängigen Fachleuten vergebenes Gütesiegel für kindgerechtes Qualitätsspielzeug. Auch wenn inzwischen nur noch 20 % des Umsatzes auf den Kind-Bereich entfallen, schenkt Peter Clemens diesem Segment viel Aufmerksamkeit.

Traditionell stark ist die Firma Clemens noch auf einem anderen Gebiet, der Auftragsproduktion für gewerbliche Kunden. Bekannte Industrieunternehmen lassen in Kirchardt Werbefiguren herstellen. 30-40 % der laufenden Produktion werden über diese Vertriebsschiene abgesetzt. Der Umgang mit den Großkunden erfordert viel Fingerspitzengefühl und große Geduld. Mella-Maria Knopp hat sich hier besondere Verdienste erworben. Sie nennt die Werbetiere "ihre Kinder", auch wenn sie weiß, daß ihre Designvorstellungen hinter den Wünschen der Auftraggeber zurückstehen müssen.

Seniorchef Hans Clemens, inzwischen über 90jährig, verfolgt die Geschehnisse in der Firma weiterhin mit wachem Interesse: "argwöhnisch, aber mit viel Liebe", wie es in einer offiziellen Darstellung heißt. Unterdessen hat bereits die dritte Generation Einzug ins Unternehmen gehalten. Seit dem 1. April ist Dirk Clemens in verschiedenen Bereichen der Firma tätig.

Firmenchef Peter Clemens

in einer Aufnahme aus dem Jahr 1998.