Startseite | English | Kontakt/Impressum | AGB | Versandkosten | Zahlungsarten | Datenschutz | Teddy's Newsletter | Hilfe

Hermann Coburg Firmenportrait

Innovativ aus Tradition

Das nachfolgende Firmenportrait schrieb ich Ende 1997 für den BärReport. Es ist in Heft 4/1997 erschienen. Obwohl der Text schon einige Jahre alt ist, beschreibt er immer noch sehr gut die Firmenphilosophie der derzeitigen Inhaber.
Wolfgang Froese


Ihr Markenzeichen ist der Bär mit dem laufenden Hund. Von Firmengründer Max Hermann um 1930 für seine „Fabrik feiner Plüschspielwaren" eingeführt, wird die Marke in fast unveränderter Form auch heute noch zur Kennzeichnung von Hermann-Bären verwendet. Ständig in Bewegung zu bleiben, ohne die eigenen Ursprünge aus den Augen zu verlieren: die Geschäftsphilosophie des Coburger Familienunternehmens findet in dem Logogramm eine sinnfällige Entsprechung. Altes und Neues gehen bei Hermann-Coburg eine spannende und glückliche Verbindung ein.

„Oft werden wir gefragt, wie Tradition und Moderne miteinander vereinbar sind. Tradition erfahren heißt, sie täglich neu erleben. Dazu muß man ihr ganz nahe sein." Dr. Ursula und Martin-J. Hermann, die Enkel des Firmengründers und heutigen Geschäftsführer, begründen so, warum sie seit August 1996 als erstes deutsches Plüschtierunternehmen im Internet vertreten sind. Sie wollen das modernste aller Kommunikationsmittel nutzen, um sich ihren Kunden in der ganzen Welt rasch und unmittelbar mitteilen zu können. "Sie sollen all das, was wir fühlen und erleben, so erfahren wie wir selbst."

Zweitausend Zugriffe im Monat belegen die hohe Akzeptanz, die das Internetangebot von Hermann-Coburg findet. Ständige Aktualisierungen und ein klares Design der bereits mehrfach preisgekrönten Seiten haben zu diesem starken Zuspruch beigetragen. Die inzwischen rund zweihundert Webseiten sind in Deutsch und Englisch verfügbar. Insbesondere die Händler und Sammler in Übersee, in Nordamerika, Ostasien, Australien und Südafrika, sind den Coburger Teddyfabrikanten damit sehr viel nähergerückt.

E-mails, die in Minutenschnelle um den Erdball gehen, dienen dem schnellen persönlichen Informationsaustausch. Wenn Martin Hermann heute in die USA fliegt, kündigt er dies vorher via Internet an; er kann damit seine Reiseroute noch kurzfristig mit seinen amerikanischen Freunden und Geschäftspartnern abstimmen. Die Globalisierung der Märkte ist nur der jüngste Trend, auf den Hermann-Coburg flexibel und selbstbewußt reagiert. In den vergangenen drei Jahrzehnten hat sich das Unternehmen im Markt mehrmals neu positioniert.

Rolf G. Hermann

erweiterte in den 70er und 80er Jahren das Hemann-Sortiment um bekannte Plüschfiguren. Die Firma entwickelte sich damit zum Marktführer für Lizenzprodukte.

Bis weit in die sechziger Jahre hinein war eine Tagesproduktion von 500 Teddybären keine Seltenheit. Als die traditionellen Plüschtiere angesichts von Billigimporten und eines veränderten Nachfrageverhaltens in eine Absatzkrise gerieten, fächerte der damalige Firmenchef Rolf-G. Hermann die Produktpalette weit auf. Der Sohn von Max Hermann, der bereits seit dessen Tod 1955 das Unternehmen leitete, nahm eine größere Zahl von Comic- und Zeichentrickfilm-Figuren in das Programm auf. In den siebziger und achtziger Jahren entwickelte sich Hermann damit zum Marktführer für Lizenzprodukte. Ob Pumuckl, Micky Maus, Schweinchen Dick oder die Schlümpfe, sie alle stammten aus Coburg.

Teddybären blieben zwar weiter im Angebot, aber rückten eine Zeitlang doch eher an den Rand. Ihre Renaissance kam schleichend: "Wir stellten erstaunt fest, daß die Erwachsenen die Bären für sich selber kauften." Martin Hermann beschreibt damit den Umbruch des Teddymarktes, der sich seit Mitte der achtziger Jahre erst langsam, dann immer schneller vollzog. Aus Spielkameraden für Kinder wurden Liebhaberstücke für Erwachsene. Seit etwa 1990 produziert Hermann-Coburg zielgerichtet für Sammler. Dabei begnügte man sich von Anfang an nicht damit, einzelne Modelle der Kollektion zu limitieren. Man vertraute vielmehr auf die Innovationsstärke, die das Unternehmen bereits seit Jahrzehnten auszeichnet.

"Unser Ziel ist es immer, eine Alleinposition zu erreichen", umreißt Ulla Hermann die Strategie ihrer Familie. 1989 wurde mit der Auflage eines limitierten Jahrestieres eine erste Wegmarke gesetzt. Die nächste Pioniertat folgte bereits ein Jahr später, als mit dem Teddybären zur Deutschen Einheit erstmals ein Bär zu einem politischen Ereignis erschien. Auch mit den Themenbären, die seit 1991 im Programm vertreten sind, eilte Hermann-Coburg der Konkurrenz voraus.

Wurden Ende der achtziger Jahre nur fünf bis sechs neue Teddy-Modelle pro Jahr herausgebracht, so sind es heute um die hundert. Gut die Hälfte davon werden zur Nürnberger Spielwarenmesse präsentiert, die restlichen folgen im Laufe des Jahres. Insgesamt umfaßt die aktuelle Kollektion etwa vierhundert Bären. Fast alle sind limitiert - unlimitierte "Serienbären" machen lediglich noch etwa 10 % des Umsatzes aus. Mit der Ausrichtung auf Erwachsene als Zielgruppe hat sich auch das Aussehen der Bären verändert. Stand früher der Spielcharakter im Vordergrund, wird jetzt vor allem Wert auf eine detailgenaue Darstellung gelegt, häufig unter Beigabe aufwendiger Accessoires.

Die hohe Zahl an Neuerscheinungen hat auch betriebswirtschaftliche Gründe. Etwa hundert Bären können am Tag in Coburg gefertigt werden. Angesichts der niedrigen Auflagen, die zum Beispiel bei Themenbären 500, bei klassischen Bären 1.000 Stück betragen, wird eine hohe Zahl unterschiedlicher Modelle benötigt, "um die Fabrik unter Dampf zu halten", wie Martin Hermann es ausdrückt. Entgegen dem allgemeinen Trend produziert das Unternehmen ausschließlich in Deutschland und stellt hier sozial gesicherte Arbeitsplätze zur Verfügung.

Dr. Ursula Hermann

mit dem Teddybär Schwarzwaldmädel, das 1997 erschien. Die Enkelin des Firmengründers ist seit 1992 bei Hermann Coburg für das Teddybären-Design verantwortlich.

Zum anderen wird die große Bandbreite unterschiedlichster Bären als besondere Stärke des Unternehmens gesehen und entsprechend kultiviert. "Jeder unserer Bären hat seinen ganz eigenen Charakter" sagt Martin Hermann und verweist auf die "wahnsinnig vielen Schnitte und Designs", die die einzelnen Bären unverwechselbar machten. Dem Sammler solle es Freude bereiten, auch den nächsten Bären aus einer Reihe zu erwerben.

Um den Anreiz zum Sammeln noch weiter zu erhöhen, wird jedem Teddy nach Möglichkeit eine Geschichte mitgegeben. Der jährliche Katalog präsentiert sich inzwischen über weite Strecken als Lesebuch. Zum Johann-Strauß-Bär erfährt man beispielsweise, daß der weltberühmte Walzer-komponist Staatsbürger des Herzogtums Sachsen-Coburg war, und bei Sir Galahad, dem fünften Bären aus der Camelot-Reihe, wird an die Suche nach dem Heiligen Gral erinnert. "Unser Anliegen ist es, Legenden, Kunst und Historie in Form von Teddybärmodellen den Bärenfreunden nahezubringen," fügen die beiden Geschäftsführer erläuternd hinzu.

Für das gesamte Design zeichnet seit 1992 Ulla Hermann verantwortlich. Sie hatte in ihrer Mutter Dorle Hermann, die bis zu ihrem Tod vor fünf Jahren das Programm betreute, eine exzellente Lehrmeisterin. Die außergewöhnliche Kreativität von Ulla Hermann läßt sich nicht nur an der hohen Zahl der jährlichen Neuerscheinungen ablesen. Ihre Bären sind durch die Bank schlichtweg ausgezeichnet und das im doppelten Sinne des Wortes. Seit 1992 sind allein zehn (!) ihrer Bären für den Toby Award nominiert worden, der weltweit begehrtesten Auszeichnung für Teddybärenkünstler.

Eine glückliche Hand beweist sie auch bei der Auswahl von Künstlerinnen, die mit eigenen Entwürfen in der Hermann-Coburg-Kollektion vertreten sind. Annette Rauch schaffte 1995 mit ihrem Miniaturteddy Wunibald auf Anhieb eine Toby-Award-Nominierung, und in diesem Jahr erreichte Biggi Netzel mit Mr. Rudy eine Nominierung für die kaum minder renommierten Golden Teddy Awards.

Eine der vielen Quellen, die Ulla Hermann zur Inspiration dienen, ist die Geschichte der eigenen Familie. Ihre Anekdoten-Bären lassen humorvolle Begebenheiten wieder lebendig werden. Auch Stammvater Johann, dem Begründer der Hermann-Bären-Tradition, wurde in Form eines Teddys ein Denkmal gesetzt. Ihres 1995 verstorbenen Vaters gedachte sie in sehr persönlicher Weise mit dem RGH-Bären. Das Erbe der Mutter wird mit der Leven-Kollektion gepflegt.

Jüngster Preisträger aus dem Hause Hermann-Coburg ist der Internet-Bär. Der kurzsichtige Teddy, dessen eine Tatze schon mit der PC-Maus verwachsen ist, wurde kürzlich mit einem Golden Teddy Award prämiert. Vom Beginn des Jahrhunderts, als der erste Hermann-Bär entstand, bis heute, an der Schwelle zu einem neuen Jahrtausend, haben die Firma und ihre Bären einen weiten Weg zurückgelegt. Daß sie sich dabei ungeachtet aller Veränderungen treu geblieben sind, ist wohl das schönste Kompliment, das man ihnen machen kann.

© Text: Wolfgang Froese
© Bilder: Hermann Spielwaren GmbH, Coburg

Der 1. Internet Bär

von Hermann gewann 1997 den Golden Teddy Award. Der Bär mit der Maus zählt bis heute zu den begehrtesten Sammlerbären von Hermann Coburg.