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Hermann Coburg Historie

Ein denkwürdiger Tag

Im Herbst 2003 feierte Hermann Coburg den 90. Jahrestag der Herstellung des ersten Hermann-Bären. Zu diesem Jubiläum erschien ein Beitrag von mir in Heft 3/2003 des BärReport, der vor allem die ersten fünf Jahrzehnte der Firmengeschichte beleuchtet.
Wolfgang Froese


Der 24. Oktober 1913 ist ein besonderes Datum in der über hundertjährigen Geschichte des Teddybären. An diesem Tag begannen die Geschwister Arthur, Max und Adelheid Hermann in Neufang bei Sonneberg mit der Fabrikation der geliebten Plüschkameraden. Es war der Anfang einer langen Tradition, die heute von der Firma Hermann Spielwaren in Coburg fortgesetzt wird.


Noch im hohen Alter erinnerte sich Arthur Hermann genau an seinen ersten Tag als Teddybärfabrikant: „Heute ist ein denkwürdiger Tag“, schreibt er am 24. Oktober 1982 an seine Schwägerin Hilde Hermann. „Heute vor 69 Jahren trat ich von meiner Lehrstelle aus, und mit meinem lieben Max und meiner lieben Heidl wagten wir uns an die Fabrikation von Teddybären. Mein Alter kaum 19 Jahre, mein Betriebskapital 66 M, 2 Mann Belegschaft.“

Die ersten Hermann-Bären entstanden in einer 20 Quadratmeter großen Dach-stube im elterlichen Haus in Neufang unter schwierigsten Bedingungen. „Es kamen harte Wochen“, erinnerte sich Arthur Hermann 1982. „Uns konnte nur die Arbeit retten. Unermüdlich hielten meine 2 Lieben fast täglich mit mir bis 11 Uhr aus.“

Das Stammhaus in Neufang,

wo 1913 die Hermann-Teddybärherstellung begann.

Der 1. Weltkrieg, der 1914 begann, brachte neue Belastungen für das junge Unternehmen. Weil Arthur bald zum Kriegsdienst eingezogen wurde, sorgte Max, damals erst 16 Jahre alt, für die Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs. Am 18. März 1915 schrieb er seinem verwundeten Bruder: „Ums Geschäft brauchst du dich nicht zu bekümmern denn ich verstehe es ja genau.“ Doch der Mangel an Rohstoffen machte es immer schwieriger, die Produktion fortzusetzen. 1917 musste auch Max als Soldat an die Front.

Nach Kriegsende trennten sich die geschäftlichen Wege der beiden Brüder. Während Arthur 1919 mit seiner Firma nach Sonneberg zog, gründete Max um 1919/20 in Neufang seine eigene Teddybärenmanufaktur. Auch ihr älterer Bruder Bernhard war zu dieser Zeit bereits als Plüschtierfabrikant tätig. Er hatte sich schon 1912 in Sonneberg selbstständig gemacht. Auf ihn geht die Firma Teddy Hermann Original in Hirschaid zurück.

1921 heiratete Max Hermann. Seine Frau Hilde Stammberger war nicht nur ausgebildete Spielzeuggestalterin, sondern auch kaufmännisch versiert. Gemeinsam bildeten die beiden ein starkes Team. Ihre Enkelin Dr. Ursula Hermann, die heutige Mitinhaberin von Hermann Spielwaren, urteilt 1992: „Das handwerkliche Können von Max in der Herstellung von Teddybären und der Geschäftssinn seiner Frau verhalfen dem kleinen Unternehmen schnell zur ersten Blüte. Gezielt machte sich das junge Paar an die Arbeit, die Teddybären-Produktion des Max Hermann aufzubauen.“

1923 erfolgte der Umzug nach Sonneberg, den damals weltgrößten Umschlagplatz für Spielwaren. Hier produzierte die Firma unter der Marke MAHESO (Max Hermann Sonneberg) nicht mehr wie bisher anonym für Verleger, sondern suchte sich selbst einen Platz im Markt zu erkämpfen. Ein erster Katalog entstand, der sich bis heute im Familienbesitz befindet. Er gibt mit seinen Bildern Einblick in die Gestaltungsart der frühen Hermann Bären.

Die Familie Hermann um 1910 -

Max (1. von links), Adelheid (4. von links) und Arthur (5. von links) wagten sich als erste Mitglieder der Familie Hermann an die Herstellung von Teddybären.

Die Weltwirtschaftskrise setzte dem raschen Aufstieg des Unternehmens vorerst ein Ende, fast wäre es zum „Aus“ gekommen, weil 1929 über Nacht der englische Markt wegbrach. Doch langsam gelang der Wiederaufstieg. In dieser Zeit entwickelte Max Hermann als neues Firmenzeichen den Bär mit dem laufenden Hund, das noch heute in unveränderter Form bei Hermann Spielwaren in Gebrauch ist.

Der 2. Weltkrieg brachte neue schwere Probleme für das Unternehmen. Max Hermann weigerte sich, die Produktion auf Heeresbedarf umzustellen. „Bei allem Sinn für gute Geschäfte“, schreibt seine Enkelin Ursula Hermann, „stand immer eine Lebensmaxime für Max Hermann über allem – nur, und ausschließlich nur Produkte herzustellen, die Freude bringen“. So hielt man an der Fertigung von Plüschtieren fest, solange es ging. Als es keine Rohstoffe mehr gab, verarbeitete man das Material, das die Kunden schickten – ein Verfahren, das auch in der ersten Nachkriegszeit weiter praktiziert wurde.

Damals – 1947 – trat Sohn Rolf-Gerhard in das Unternehmen ein, das jetzt als Max Hermann & Sohn firmierte. In der sowjetischen Besatzungszone, zu der Sonneberg gehörte, bahnte sich die vollständige Machtübernahme durch die Kommunisten an. Deshalb orientierten sich Max Hermann und sein Sohn nach Westen. Bereits im Mai 1949, noch vor der Gründung der DDR, wurde ein Zweigwerk in Coburg eröffnet, nur 20 Kilometer vom Stammsitz entfernt.

Im Februar 1953 floh Max Hermann mit seiner gesamte Familie nach Westdeutschland, um in Coburg neu anzufangen. Die materiellen Vermögenswerte musste er in Sonneberg zurücklassen, aber er brachte – wie Ursula Hermann feststellt - „einen guten und bekannten Namen“ mit und sein „Wissen um die Herstellung guter Teddybären“.

Die Flucht in den Westen war die letzte große Entscheidung, die Max Hermann traf. 1955 starb er, nur 56 Jahre alt. Sein Sohn Rolf G. Hermann führte die Firma 40 Jahre lang erfolgreich fort. Heute tragen die Enkel Dr. Ursula und Martin Hermann die Verantwortung für das Familienunternehmen. Es zählt dank dem Wagemut, den Arthur, Max und Adelheid Hermann am 24. Oktober 1913 an den Tag legten, zu den ältesten heute noch existierenden Teddybärmanufakturen. Herzlichen Glückwunsch!


© Text: Wolfgang Froese
© Bilder: Hermann Spielwaren GmbH, Coburg

90 Jahre Gedenkbär

Der 2003 erschienen Gedenkbär von Hermann Coburg ist den Geschwistern Max, Adelheid und Arthur gewidmet.