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Teddy Hermann - Markenzeichen Qualität

Um 1912 hat sich Bernhard Hermann in Sonneberg als Spielwarenfabrikant selbständig gemacht. Die Firma Teddy Hermann ist damit eine der ältesten, ununterbrochen bis heute existierenden Plüschtierunternehmen der Welt. In Heft 1/2012 des BärReport habe ich die wechselvolle Unternehmensgeschichte in einem Abriss geschildert. Eine ausführliche Darstellung mit vielen historischen Bilddokumenten findet sich iim Großen Teddy-Hermann-Buch.
Wolfgang Froese

Die Firma Teddy Hermann ist stolz darauf, einer der ältesten bis heute existierenden Plüschtierhersteller der Welt zu sein. In dem Jahrhundert ihrer Existenz gab es manche Klippen, die mit dem Bekenntnis zur Qualität erfolgreich umschifft werden konnten.

In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg herrschte im thüringischen Sonneberg Aufbruchstimmung. Die in der Stadt und ihrem Umland ansässige Spielzeugindustrie verzeichnete immer neue Rekordzahlen. Mit ihren Holzartikeln, Puppen und Plüschtieren bestritt die Region nicht weniger als 20 % des weltweiten Umsatzes an Spielwaren. Wer über Fleiß, Können und Kontakte verfügte und sich etwas zutraute, dem schien die Welt offen zu stehen.
Zu den jungen Firmengründern, die wenig Kapital, aber gute Ideen und den nötigen Wagemut besaßen, zählte um 1912 auch der im Dreikaiserjahr 1888 geborene Bernhard Hermann. Als Vorbild konnten ihm seine eigenen Eltern dienen, die sich aus ärmlichen Verhältnissen mit der Produktion von Spielzeug eine bescheidene, aber tragfähige Existenz aufgebaut hatten. Und so wie Bernhard machten sich bald auch seine beiden jüngeren Brüder Artur und Max mit der Fabrikation von Spielwaren selbständig.
Der 1914 ausgebrochene Erste Weltkrieg, Inflation und Depression der Nachkriegszeit, die Weltwirtschaftskrise ab 1929 und schließlich der Zweite Weltkrieg – es waren ganz anders als erhofft überwiegend Krisenjahre, in denen sich der Unternehmer Bernhard Hermann zu bewähren hatte. Die „goldenen“ Vorkriegsjahre, als Sonneberg als „Weltspielzeugstadt“ glänzte, kehrten jedenfalls nie wieder. Aber während viele Spielzeugfirmen in den wirtschaftlich schlechten Zeiten vom Markt verschwanden, wusste sich Bernhard Hermann mit seiner Puppen- und Plüschtierproduktion zu behaupten. Sein wichtigstes Erfolgsrezept war die unbedingte Qualitätsorientierung. Mündlich ist überliefert, dass der temperamentvolle Firmenchef in den zwanziger Jahren Teddybären quer durch den Fabrikationsraum geworfen haben soll, wenn sie seinen strengen Maßstäben nicht entsprachen.

Bernhard Hermann mit seiner Familie

bei einem Maiausflug Ende der 1920er Jahre. Von links nach rechts: Horst, Artur, Ehefrau Ida, Bernhard, Hellmut und Werner Hermann.

Ein weiterer wesentlicher Grund bestand in der Fähigkeit Bernhard Hermanns, Trends und sich wandelnde Kundenwünsche früh zu erkennen und ihnen mit guten Designideen zu entsprechen. Eine Reihe von Gebrauchsmusterpatenten für Puppen und Teddybären zeugen von seiner kreativen Ader und ebenso von seinem Geschäftssinn. Auch um Marketing und Vertrieb kümmerte sich der Firmenchef, der 1929 rund zwei Dutzend Mitarbeiter beschäftigte, noch persönlich. Die guten Beziehungen zu seinen Kunden halfen mit, auch existenzbedrohende Krisen zu meistern.
Vor ganz neue Herausforderungen sahen sich Bernhard Hermann und seine drei Söhne Hellmut, Artur und Werner, die inzwischen in der Firma mitarbeiteten, nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gestellt. Sonneberg lag in der Sowjetischen Besatzungszone und Bernhard Hermann erkannte rasch, dass unter der sich abzeichnenden kommunistischen Diktatur Privatunternehmen keine Zukunft besitzen würden. Ab 1948 bestand deshalb ein Zweigbetrieb im bayerischen Hirschaid nahe Bamberg, der von Werner Hermann geleitet wurde. Viereinhalb Jahre lang lief die Produktion noch parallel an beiden Standorten, dann entschlossen sich Bernhard, Hellmut und Artur Hermann mit ihren Familien zur Flucht. Ende Januar 1953 ließen sie schweren Herzens alles zurück, was sie in vier Jahrzehnten in Sonneberg aufgebaut hatten.
Der Neubeginn in Hirschaid fiel in die Zeit des Wirtschaftswunders. Die fünfziger und frühen sechziger Jahre waren für Gebr. Hermann – wie das Unternehmen jetzt hieß – eine Phase fast ungestümen Wachstums. Um 1960 wurden jährlich rund eine halbe Million Plüschtiere gefertigt, die Mitarbeiterzahl stieg in der Spitze auf über 220 an. Als Bernhard Hermann 1959 überraschend starb, hatte er stabile Fundamente gelegt, auf denen seine Söhne aufbauen konnten.

Teddybärproduktion 1958 in Hirschaid:

Blick in die Stopfabteilung. In der Bildmitte Bernhard Hermann.

Hohe Qualität bei Produktion und Design, eine kontinuierliche Anpassung des Sortimentes an die sich ändernden Kundenwünsche und vertrauensvoll gepflegte Geschäftsbeziehungen blieben die Maximen, nach denen Hellmut, Artur und Werner Hermann (letzterer als Designer) die Firma leiteten. Dennoch kamen nach 1970 wieder schwierigere Zeiten auf das Unternehmen zu. Steigende Kosten und die wachsende Konkurrenz durch Billigimporte aus Fernost brachten Umsatz und Gewinn von zwei Seiten her unter Druck. Durch einen allmählichen Kapazitätsabbau und die vermehrte Herstellung von Lizenzprodukten wurde den Gegebenheiten Rechnung getragen. Eine weitergehende Anpassung an die grundsätzlich veränderten Marktverhältnisse blieb indes der dritten Generation vorbehalten, die in Gestalt von Margit Drolshagen und Marion Mehling in den frühen 1990er Jahren die alleinige Leitung der Firma übernahm.
Sie setzten sich zum Ziel, Anbieter eines Vollsortiments im Plüschbereich zu bleiben und sich eine starke Position in dem seit den 1980er Jahren allmählich entstehenden Sammlermarkt zu schaffen. Beides ist Teddy Hermann (so der Firmenname seit 1993) vollauf gelungen. Derzeit umfasst das Sortiment mehr als 500 Artikel, mehr als in jeder anderen Periode der Firmengeschichte. In Hirschaid ist außer dem Design und dem Vertrieb für die gesamte Produktpalette die Herstellung der Sammlerartikel geblieben. Die Fabrikation der Plüschspielwaren erfolgt unter strenger TÜV-Zertifizierung fast ausschließlich in Ostasien.
Was die Zukunft bringt, ist offen. Mit dem von Bernhard Hermann gelegten und von den nachfolgenden Generationen gepflegten Wertefundament bestehen allerdings gute Chancen, auch künftige Herausforderungen zu meistern.

© Text: Wolfgang Froese
© Bilder: Teddy Hermann, Hirschaid